Ist Schlafen im Wald erlaubt?
von Kai Sackmann (Sacki)

ACHTUNG:
Dieser Beitrag ist weder als juristische Beratung, noch als eine Aufforderung zu den aufgeführten Handlungen gedacht. Ich gebe hier lediglich das Wissen aus meinen Recherchen und meine persönliche Meinung wieder!

Bushcrafter und Surviver sind natürlich ungemein daran interessiert, ob das Übernachten in der Natur, in Deutschland rechtlich erlaubt oder verboten ist. Bei der Ausübung dieser Hobbys geht es ja gerade darum, zumindest kurzzeitig in der Natur zu leben und somit also auch dort zu übernachten. Viele Bushcrafter würden wohl schon eher auf das Feuermachen verzichten, als auf das besondere Erlebnis, eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen.

Bevor man sich fragt, ob man in einem bestimmten Gebiet übernachten darf, muss man sich erst einmal fragen, ob man dieses Gebiet überhaupt offiziell betreten darf. Denn wenn schon das Betreten verboten ist, dann schließt dies natürlich auch alle weiteren Vorhaben mit ein. Und um diese Frage zu beantworten muss man einen Blick in die entsprechenden deutschen Gesetze werfen.

Wichtig sind hier das Bundeswaldgesetz und das Bundesnaturschutzgesetzt. In diesen Gesetzestexten kann man etwas über das „
Betreten des Waldes“ und das „Betreten der freien Landschaft“ nachlesen.

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Im § 14 des Bundeswaldgesetztes kann man zum Betreten des Waldes folgendes lesen: (Abs.1) "Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist gestattet.“. Allerdings gibt es auch noch eine Erweiterung dazu: (Abs.2) "Die Länder regeln die Einzelheiten und können das Betreten einschränken.“.

Im
§ 59 des Bundesnaturschutzgesetzes kann man zum Betreten der freien Landschaft lesen: (Abs.1) "Das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung ist allen gestattet (allgemeiner Grundsatz).

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Beide Gesetze erlauben uns somit ganz allgemein das Betreten des Waldes und der freien Landschaft und das auch ausserhalb von Wegen.

Als
freie Landschaft bezeichnet man übrigens Waldflächen, unbewaldete Flächen, Wege und Gewässer. Wege dürfen dabei jedoch nicht zum öffentlichen Straßenverkehr gehören. Und auch Privateigentum, wie Gebäude, Hofflächen oderGärten sind natürlich ausgenommen. Genauso wie Anbauflächen und Parkanlagen. Ganz allgemein kann man sagen, als freie Landschaft bezeichnen wir sämtliche Flächen ausserhalb besiedelter Bereiche, wenn es sich dabei um ungenutzte Grundflächen handelt!

Die erwähnten Bundesgesetze erklären aber auch, dass sie nur als Rahmengesetzte für die jeweiligen Gesetze der einzelnen Bundesländer fungieren und die Länder die allgemeinen Betretungsrechte einschränken können. Das bedeutet, man muss sich somit sämtliche Landesgesetze etwas genauer anschauen, die mit der Natur zu tun haben. Zusätzlich kann es auch noch kommunale Beschränkungen geben. Somit müssten auch noch Sonderregelungen einzelner Bereiche und Gemeinden eingesehen werden. Eine schier unlösbare Aufgabe, um sich für ganz Deutschland zu informieren. Zusammenfassend kann jedoch gesagt werden:

Das Betreten von Wald und freier Landschaft ist erlaubt. Ausnahmen sind natürlich Anpflanzungen, Naturschutzgebiete, Biotope, Nationalparks usw. Hier darf man sich nur auf den Wegen bewegen. Hochsitze u.ä. gelten übrigens als Privateigentum der Forstverwaltungen!

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Das Problem für Bushcrafter und Surviver ist nun aber, das sie nicht nur durch den Wald laufen wollen, sondern sie wollen dort übernachten. Das heißt sie wollen an einem bestimmten Ort für eine längere Zeit verweilen. Und ein längeres Verweilen ist nirgendwo im allgemeinen Betretungsrecht erwähnt. Dementsprechend natürlich auch nicht, wann aus einer Pause beim Wandern zum Beispiel ein längerfristiges Verweilen wird. Ist man bereits Wildcamper, wenn man 1 Stunde lang schläft? Oder 6 Stunden?

Selbst wenn man sich tiefer in die Gesetzesmaterie wagt, findet man keine genaueren Regelungen für einen längerfristigen Aufenthalt. Was man jedoch sehr wohl erwähnt findet - und das in den Gesetzestexten eines jeden unserer Bundesländer - ist
das Zelten!

Auch hier kann man ganz allgemein sagen, das ein Zelten im Wald nicht erlaubt ist. Und das schließt auch schon das Aufbauen eines Zeltes mit ein und sei es nur als Sonnenschutz o.ä. Für die freie Landschaft gibt es jedoch wieder keine Erwähnungen und somit ist das Zelten in freier Landschaft nicht explizit verboten. Aber Achtung: Das Zelten auf fremdem Privatbesitz ist ohne Erlaubnis natürlich verboten. Und es gibt in Deutschland kaum einen Flecken Grund, der nicht im Besitz von jemandem ist. Somit muss gesagt werden:
Ohne Erlaubnis darf man nirgendwo Zelten, ansonsten begeht man eine Ordnungswidrigkeit!

Nun ist es ja so, das der allergrößte Teil der Bushcrafter nicht mit Zelten unterwegs ist, sondern mit Schlafsack und Matratze, Biwaksack, Tarp, Hängematte usw. Wie sieht es mit dieser Übernachtungsausstattung aus?

Das reine Übernachten ohne Zelt, nennen wir es ab jetzt Biwakieren, ist in keinem Bundes- oder Landesgesetz geregelt. Problem ist hier, das es keine allgemein gültige Definition dafür gibt, was unter einem Zelt zu verstehen ist. Ist ein aufgespanntes Tarp bereits ein Zelt?


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Was ist ein Zelt?

Häufig hört man unter Outdoor-Freunden von der Meinung, das ein Zelt ohne Boden nur ein "
Wetterschutz" ist und eben kein Zelt. Man beruft sich hier auf eine EG-Richtlinie, die von mir jedoch bis heute nicht gefunden werden konnte. Diese Aussage kann daher nicht bestätigt werden. Bisher ist mir nur eine einzige Definition für "Zelt" bekannt und diese stammt aus einer Verwaltungsvorschrift zum Baurecht und lautet folgendermaßen:

„Zelte sind bauliche Anlagen, die aus einer Tragkonstruktion und aus einer Hülle bestehen. Die Tragkonstruktion kann aus Holz, Metall oder aus ähnlichen Baustoffen hergestellt sein. Die Hülle kann aus Planen, Kunststoffen, Mischgeweben oder ähnlichen Baustoffen bestehen.“


Ob genau diese Definition nun juristischen Bestand hätte ist nicht sicher. Würde man sie jedoch nutzen, so gäbe sie uns zwei wichtige Ausdrücke: "
Tragkonstruktion" und "Hülle", also etwas das einen geschlossenen Raum bildet. Dementsprechend würde für die erwähnte Übernachtungsausstattung folgendes gelten:
Zelte
Zelte sind wie bereits erwähnt verboten!

Schlafsäcke / Matratzen / Biwaksäcke
Schlafsäcke und Biwaksäcke könnten als Hüllen gelten, besitzen jedoch keine Tragkonstruktion. Somit wären sie erlaubt. Eine Ausnahme würden hier Biwaksäcke mit Gestänge bilden, sogenannte Einmannzelte.

Hängematten
Hängematten besitzen keine wirkliche Tragkonstruktion und nur selten eine Hülle (geschlossene Hammocks). Natürlich dürfen bei der Befestigung keine Bäume u.ä. beschädigt werden. Somit wären sie erlaubt.

Tarps
Je nach Aufbauart besitzen sie zumeist keine geschlossene Hülle. Ob eine Abspannleine als Tragkonstruktion gelten könnte, ist nicht wirklich klar. Somit wären sie erlaubt. Ausnahmen würden hier spezielle, geschlossene Tarps mit Gestänge bilden (z.B. TipiTarp von Exped).

Selbstgebaute Hütten und Shelter
Survival-Hütten und -Shelter besitzen eine Tragkonstruktion und können auch als geschlossene Hülle aufgebaut sein. Doch selbst offene Shelter würden, aufgrund des Aufwandes für ein solches Bauwerk, wahrscheinlich mit einem Zelt gleichgesetzt werden und wären somit verboten.

Trapperbett (Matratze aus Pflanzenmaterial)
Trapperbetten besitzen weder eine Tragkonstruktion noch eine Hülle. Somit wären sie erlaubt, wenn zum Aufbau keine Beschädigungen an der Natur stattfinden (nur Laub, Grün gefällter oder umgestürzter Bäume…).


Im Endeffekt entscheidet hier wohl der Forstbeamte, der einen Bushcrafter in der Natur beim Lagern antrifft. Es liegt in seinem Ermessen, ob er hier gerade eine Gefahr für die Natur sieht oder ein Verstoß gegen geltende Regelungen vorliegt. Viele Waldmänner sind jedoch ebenfalls sehr Outdoor-begeisterte Menschen, die häufig sehr gut nachvollziehen können, das man gerne unter freiem Sternenhimmel schläft. Hier gilt der gute alte Spruch: „
Wie es in den Wald ruft“, denn natürlich dürfen bei allen Aktivitäten, der Wald und die freie Landschaft nicht gefährdet, geschädigt oder verunreinigt werden. Ansonsten wird man des Platzes verwiesen werden.

Die
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sagt übrigens ganz allgemein und schreibt auch auf ihrer Homepage: "Das Schlafen im Freien, z.B. in einem Schlafsack, ist erlaubt. Dagegen ist das Bauen fester Unterstände, von Hütten und das Aufschlagen von Zelten verboten bzw. genehmigungspflichtig". Hier hat man also nicht einmal etwas dagegen, wenn ein Bushcrafter in seinem Schlafsack eine Übernachtung im Wald durchführen möchte. Da die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald jedoch nur ein Naturschutzverband ist und natürlich nicht über gesetzlichen Regelungen steht, kann man sich auch auf eine solche Aussage nicht berufen.

Nicht zu vergessen wäre auch noch die Tatsache, das sich etliche deutsche Waldgebiete in privater Hand befinden und dementsprechend gilt hier natürlich wieder:
Nichts ohne Erlaubnis des Besitzers!

Wichtige Sonderregelung:
In etlichen nördlichen Bundesländern beschränkt sich das Betretungsrecht des Waldes auf die Tageszeit. In der Nachtzeit, also in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, ist das Betreten des Waldes auf die Waldwege beschränkt. Hier dürfte man sich also gar nicht mehr im Unterholz aufhalten, sobald es dunkel wird (z.B. in Schleswig Holstein). Dazu sollte man sich das jeweilige Landeswaldgesetz anschauen!

Hier kannst Du Dir die Informationen zum Thema noch einmal in einem von Sackis Videos anschauen.